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Hinfallen, aufstehen, nochmal antreten

Phillip

Meduni Wien

Matura, MedAT und direkt ins Medizinstudium? Für viele ist das mehr eine Wunschvorstellung als die Realität. Auch für mich glich der Weg zum Medizinstudium mehr einer Achterbahnfahrt inkl. 4 Antritte, viel Enttäuschung und einem kurzen Ausflug nach Bulgarien. Doch solange man nach dem Fallen immer wieder aufsteht, kann man es trotzdem schaffen! 💪

Ich habe mir sehr lange Gedanken darüber gemacht, über was ich eigentlich in meinem Blog schreiben soll. Mittlerweile hat ja anscheinend jeder, der den Test geschafft hat ganz besondere Tipps und Tricks und stellt sich als Gott aller Götter dar. Sei es die Lerntaktik, die Unterlagen, Tagesabläufe oder Ritualien kurz vor dem Test.

Aber mir fiel schon während meiner Vorbereitungszeit auf, als ich diese Blogs von Studenten gelesen hab, die es geschafft hatten, dass kaum jemand davon erzählte, wie es war den MedAT erstmal nicht zu schaffen. Es wird das Perfekte und Wunschszenarios vorgestellt und das sorgt dafür, dass man leicht vergisst, dass in ganz Österreich ca. 90% der Angemeldeten den Test nicht schaffen.

Viele haben eine Riesenangst vor dem was passieren wird, wenn sie den Test verhauen, ob es jetzt mangelnde Vorbereitung oder mal ein schlechter Tag war.

Wenn man den Eltern, Verwandten und Freunden erklären muss, woran es denn jetzt schon wieder lag, die Sprüche von denen, die gar keine Ahnung haben was es eigentlich bedeutet den MedAT zu schreiben, die dann sagen „Du hast doch soviel gelernt, vielleicht bist du einfach nicht dafür geschaffen“ oder „Hast du etwa wieder zu wenig gemacht?“.

Meiner Meinung nach sollte man diese Sachen einfach ignorieren. Und auch ein Plan B ist nicht wirklich wichtig, das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen.

Ich habe den MedAT insgesamt viermal schreiben müssen, bis ich es 2020 geschafft habe und meine Fehler waren immer unterschiedlich. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass mir jemand mal diese Sachen während meiner Vorbereitung gesagt hätte und nicht nur wie perfekt die Leute sind, die es geschafft haben. Oft sagen die meisten ja gar nicht, wie oft sie ranmussten, bis sie ein gutes Ergebnis einfahren konnten. Sie sind einfach gleich für uns Testteilnehmer die selbsternannten Götter.

Die ersten Versuche

2017 kurz nach dem Abitur habe ich ihn geschrieben, wie viele andere nur aus Spaß, um mal zu sehen wie die Atmosphäre in der Messehalle ist. Natürlich bin ich komplett untergegangen und Physik fühlte sich an wie das Ankreuzen auf dem Lottoschein. Komischerweise holte ich in GuM ohne Taktik und ohne Vorbereitung 21/25 Punkten, was sich fürs nächste Jahr als mein erster Fehler rausstellen sollte.

Anschließend machte ich meine Rettungssanitäter-Ausbildung und fing Anfang März 2018 an mich für den MedAT seriös vorzubereiten. Als dann der Tag der Wahrheit gekommen war, fühlte ich mich wirklich gut vorbereitet. Da ich im vorherigen Jahr so viele Punkte in GuM erreichte, dachte ich mir aber leider, ich bräuchte keine Loci- oder Major-Methode…

Ich bekam nur 15/25 Punkten.

Das war mein erster Fehler. Ich hatte den MedAT nicht ernst genug genommen, aus dem einfachen Grund, dass ich mir zu selbstsicher war und gleichzeitig nicht erwachsen genug war, um richtig einzuschätzen was ich alles für den Aufnahmetest lernen muss, um auch sicher drin zu sein.

An den Tag als die Absage kam, kann ich mich noch sehr gut erinnern. Die 4 Wochen zwischen Test und Ergebnis konnte ich genießen, ich dachte ich wäre drin und nichts konnte mich aus der Ruhe bringen. Der Schock als ich die Absage bekam war riesig und es brach mein Herz.

Da ich keinen Plan B hatte fing ich an beim DRK zu arbeiten, bis die nächste Phase für den MedAT begann.

Am 1. Januar 2019 fing ich langsam an die kognitiven Fähigkeiten zu lernen und steigerte mein Arbeitspensum immer mehr. Ich versuchte wirklich alles abzudecken, was ich im vorherigen Jahr ausgelassen hatte, BMS Stoff sowie Loci- und Major-Methode. Ich rechnete immer wieder vor wie viele Punkte ich brauchen würde, um es zu schaffen, aber ständig mit dem Schock von letztem Jahr im Hinterkopf.

In diesem Jahr sollte sich das als mein größter Fehler herausstellen.

Ich redete mir ständig ein, dass ich es nicht schaffen würde, weil es mir vorkam, es wäre unmöglich diesen Test zu bestehen. Ich war von Selbstzweifeln geplagt und als der Test dann kam war ich so blockiert und vom Selbstzweifel gelähmt, dass ich einen Blackout hatte und mir am Ende ca. 3 Punkte fehlen sollten.

Medzinstudium in Bulgarien

Zum Glück hatte ich vorausschauende Eltern, die sich nach Universitäten in anderen EU-Staaten erkundigt hatten. Ich meldete mich für den Einstellungstest an der Medical University Sofia in Bulgarien an und wurde mit dem Wissen vom MedAT ganz einfach genommen.

Auf einmal hatte ich doch meinen Studienplatz, ich konnte es kaum fassen! Ein paar Wochen später fing auch schon das erste Semester an und es machte wirklich Spaß. Man musste lernen, hatte aber auch genügend Zeit Sofia zu erkunden und viele neue Leute kennen zu lernen. Das war wirklich das Beste an Sofia. Ich lernte Studenten aus Zypern, Italien, Griechenland, England usw. kennen und mit vielen stehe ich noch heute in engstem Kontakt.

Bulgarien aber vor allem die Uni hatte bei allem Respekt ihre dunklen Seiten. Leider ist es ein offenes Geheimnis, dass die Universität korrupt ist und das Geld leider nie dort ankommt, wo es sein sollte. Das Gebäude ist am zerfallen und der Campus an sich eine Katastrophe. Mir gefiel es auch nicht, wie Freunde und Bekannte darauf reagierten, wenn man gefragt wurde, wo man denn Medizin studiere. Wenn man nämlich auf die Frage „in Sofia in Bulgarien“ antwortete, wurde man entsetzt angeguckt und bekam immer den gleichen Satz zu hören: „Bulgarien?! Wie kommt man denn bitte da hin??“ So sehr man diese Leute ignorieren sollte und es natürlich egal sein sollte, was so mancher sagt, mich machte es fertig, ließ mich kalt zurück. Für die Leute ist es eine unbedacht getätigte Aussage, die sie nach paar Sekunden wieder vergessen. Mich lies es auch Stunden später in Ruhe. Dieses Stigma und die Vorurteile waren auch bei so ziemlich jedem vorhanden.

Der MedAT lässt mich nicht locker

Der MedAT nagte also weiter an mir und das, obwohl ich dachte, ich hätte mit dem Thema abgeschlossen und mein Glück in Bulgarien gefunden. Es ließ mich nicht in Ruhe. Ich hatte dieses Gefühl von Unvollkommenheit, das mich vor allem nachts aufsuchen kam, wo ich einfach in Ruhe für die morgigen Prüfungen ausschlafen wollte. Diese nervige Stimme im Kopf, die mir die ganze Zeit sagte, dass ich, solange ich den MedAT nicht schaffe, mir immer selbst vorhalten würde, dass ich etwas in meinem Leben nicht beendet habe.

Also entschied ich mich dafür den MedAT nochmals zu schreiben. Ich meldete mich ein weiteres Mal an und begann neben der Uni, die zu der Zeit schon online lief, mich mit Wortflüssigkeit und den anderen Sachen zu foltern. Für den BMS musste ich glücklicherweise nicht viel machen, da viel von letztem Jahr noch frisch war und das meiste im Studium ohnehin behandelt wurde.

Der 14. August näherte sich und ich schwänzte sogar meine Prüfungen in Bulgarien (was meinen Eltern überhaupt nicht gefiel) um alles auf eine Karte zu setzen und diesen Test zu bestehen.

Am Testtag war ich kaum nervös, immerhin war ich schon zum vierten Mal in dieser unterkühlten Messehalle. Was auf mich zukommt, wusste ich.

Es fing gut an und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, ich ging alles ganz ruhig an und behielt einen ruhigen Kopf.

Ich glaube ich hatte begriffen um was es beim MedAT geht. Natürlich um eine gute Vorbereitung und einen guten Plan, aber ich kann für mich sprechen, wenn ich sage, dass es bei dem Test auch um Charakter geht. Der MedAT ist irgendwie eine Gradwanderung, bei dem man versuchen muss ihn ernst zu nehmen, aber auch nicht zu ernst, damit man sich nicht selbst blockiert so wie ich 2019 ein Black-out erlebte.

Endlich erfolgreich

Und was soll ich sagen, ich hatte es mit mehr als genug Prozentpunkten (ca. 88%) geschafft! Diese Tür, die sich mir immer wieder geschlossen hatte, war endlich offen, die Stimme im Kopf endlich weg und es muss mir auch nicht mehr peinlich sein, wenn ich gefragt werde, wo ich studiere.

Meine Antwort wird sein: „An der Medizinischen Universität Wien!“.

Was ich euch zum Ende dieses Blogs eigentlich sagen will, ist dass ihr euch niemals selbst einreden dürft, dass ihr für dieses Studium nicht geschaffen seid. Genauso dürft ihr euch nicht von anderen sagen lassen, dass ihr es nicht schaffen werdet. Und so oft ihr es auch nicht schafft, das Wichtigste ist immer wieder aufzustehen und weiter zu machen, bis man sich selbst seinen Traum erfüllen kann.

Und bitte, bitte lasst euch nicht vom MedAT einschüchtern! Ich habe so viele Freunde die am Ende nicht einmal zum Test auftauchten, weil sie meinten sie würden es nicht schaffen.

Solange ihr an euch glaubt, könnt ihr wirklich alles erreichen!

Ein großes Dankeschön gilt auch dem lieben Team von MEDithappen. Als ich gefragt wurde, ob ich von meiner MedAT Erfahrung berichten will, konnte ich nicht nein sagen. Ich habe den Studienplatz heute auch meinen letztjährigen Unterlagen zu verdanken. Da war für mein gutes Abschneiden vor allem MEDithappen mit ihren MedAT Trainings für KFF und ihrer Testsimulation verantwortlich. Dank ihnen konnte ich mich bestmöglich auf den Test vorbereiten und ihre Testnähe gab mir das Gefühl, nochmal in der Messehalle zu sitzen!

Bei Fragen wendet euch gerne an mich!

Euer Phillip!

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